Samstag, 17. Februar 2018

Genießen statt gießen

Ich habe mich ja schon öfter beklagt, dass Bielefeld zwar jeden Schneesturm, und Winterorkan pflichtschuldigst mitnimmt - und nur in Ermangelung eines Flusses kein Hochwasser stattfindet - aber die Regenwolken im Sommer diese Stadt oft meiden wie der Teufel das Weihwasser. 

Das kann ganz schön in Arbeit ausarten, wenn man nach Feierabend nicht nur den eigenen Arten mit Gießwasser päppeln muss, sondern auch noch das Beet mit den drei Kugelahornen in der Siedlung. Unter den Bäumen wird schon ein mitteltrockener Sommer zur Plackerei, denn sie wirken nicht nur wie Regenschirme, sondern sie durchwurzeln den Boden so stark, dass sie den Stauden rasch das letzte bisschen Wasser abgraben. Hier welken selbst hartgesottene Hungerkünstler wie Lychnis coronaria.


Kann das neue Buch von Annette Lepple "Genießen statt gießen - Trockenheitstolerante Gärten gestalten", erschienen 2018 im Ulmer-Verlag, hier Ahilfe schaffen?


Das Titelbild, das Annette so herrlich stimmungsvoll fotografiert hat, macht schon mal Lust auf mehr. Die Autorin ist nämlich auch preisgekrönte Gartenfotografin, und das merkt man auch dem Buch an, alles ist sehr schön bebildert.

Das Buch ist in die folgenden Kapitel untergliedert:

  • Die Theorie
  • Die Praxis
  • Das Ergebnis
  • Pflanzenportraits
  • Service
Im ersten Kapitel geht es um die Anpassungen der Pflanzen an Trockenheit. Wie erkennt man solche Pflanzen, wo wachsen sie in der Natur? Sympathisch ist der Ansatz der Autorin, darauf hinzuweisen, dass man die Pflanzen an die vorhandenen Bedingungen anpassen sollte und nicht umgekehrt, denn das führt nur zu viel Arbeit und Frust.

Im Praxisteil heißt es: Neugierig bleiben und keine Experimente scheuen, denn Altüberliefertes muss nicht stimmen, und die Pflanzen säen sich auch an vermeintlich nicht-ideale Plätze aus. Und wie finde ich überhaupt meinen Gartenstil, wie pflege ich den Garten?

Im Kapitel "Das Ergebnis" werden gelungene Beispiele trockenheitstoleranter Gärten als Inspiration gezeigt. Dazu gibt es skizzierte Pflanzpläne.

Die Pflanzenportraits schließen daran und zeigen Gehölze, Stauden, Ein- und Zweijährige, Kletterpflanzen, Zwiebelblumen und architektonische Pflanzen.


Annette Lepple spricht mir schon auf den ersten Seiten aus der Seele, wenn sie schreibt, dass wir uns nicht nach den bunten Bildern in Gartenzeitschriften richten sollten. Wenn der Boden sandig und trocken ist, dann muss man das akzeptieren und die passenden Pflanzen hineinsetzen, anstatt die englische Prachtrabatte oder englischen Rasen zu forcieren. Sie fordert mehr Vielfalt in den Gärten zugunsten der Tierwelt.


Die vorgestellten Gärten sind großartig fotografiert und zeigen kleine wie große Beispiele. Der Schwerpunkt liegt auf sonnigen, mediterran angehauchten Anlagen.


Die Pflanzenportraits zeigen so manche überraschende, unbekannte Pflanze, die man nicht im Gartencenter finden wird. Es sind auch einige Arten gelistet, um die ich in Ostwestfalen Angst hätte, wie Granatapfel, Viburnum tinus, Neuseelandflachs, Clematis armandii oder Watakakaschlinge. Trotz Klimawandel wird es immer noch in manchen Wintern empfindlich kalt. Aber vielleicht ist es ja auch voll beabsichtigt, Gärtner und Pflanzen aus ihrer Komfortzone herauszuholen, getreu dem eingangs geäußerten Wunsch nach mehr Experimentierfreude - möglicherweise funktioniert es im Stadtgarten nahe der Hauswand?


Alles in allem ein gutes Buch zu einem immer wichtiger werdenden Thema, das mit Herzblut und langjähriger Erfahrung geschrieben wurde. Es macht Mut, Neues zu probieren und den eigenen Stil zu finden. Möge es dem Trend der Schottervorgärten mit seinen schönen Fotos entgegenwirken!

Samstag, 10. Februar 2018

Günstig gärtnern in Amsterdam

In Amsterdam ist wenig Platz. Man wundert sich, dass zwischen Häusern und Grachten noch Bäume und Autos Platz haben. Doch man kann sicher sein: In anderen Großstädten wäre eine Straße genau dort, wo in Amsterdam die Gracht lang führt. Mehr Platz wäre dann auch nicht, aber deutlich weniger Flair.


Und vielleicht liegt es an dieser entschleunigten Welt zwischen Wasser und schmucker Häuserzeile, wo die Schwäne und die Fahrradfahrer schneller als die Autos sind, dass die Bewohner sich so viel Mühe mit den paar Quadratmetern vor ihrer Haustür machen?

Auch im Januar gibt es in Amsterdam viel zu entdecken, obwohl dieser milde Winter natürlich ein bisschen gemogelt ist und bestimmt nicht so ganz repräsentativ. Hier blüht jedenfalls der Winterjasmin an der Hauswand und hat Lavendel, Margeriten und Oleander als Nachbarn:



Schmetterlingsflieder quetscht sich mit seinen schicken grauen Blättern in die kleinste Ritze:



Der Erfindungsgeist beim Zweckentfremden von Dingen zum Bepflanzen gepaart mit dem milden Klima schafft die ungewöhnlichsten Szenen. Dieser winzige Vorgarten ist besonders wahnwitzig: Von der Kletterrose über Efeu, Mahonie, Rosmarin bis hin zur Polsterglockenblume ist ein illustres Völkchen versammelt. Schon von Weitem fällt die palmenähnliche Pflanze ins Auge. Das könnte eine Keulenlilie sein, was meint ihr?


Lauschige Plätzchen mit Efeu und anderen Immergrünen:





In Amsterdam wird gegärtnert, was das Zeug hält, zu Lande und zu Wasser, am Hauseingang ebenso wie auf dem Hausboot. Rasen kann man zwar keinen auf der schwimmenden Terrasse anlegen, aber warum nicht klotzen statt kleckern und gleich eine Nummer größer pflanzen mit Pampasgras? Bietet auch mehr Sichtschutz:



Verhältnismäßig einfach, aber wirkungsvoll, sind diese Ölkanister. So international wie die Stadt selbst sind Aufschrift und Bepflanzung. Der Gundermann findet's gut und hat sich den einen Kanister ganz exklusiv unter den Nagel gerissen, sodass er seine minderbemittelten Nachbarn jetzt aus luftiger Höhe anschauen kann.


Alte Mülleimer müssen auch nicht leer ausgehen, ebenso wie Briefkästen, die nun auch innen grün sind vor lauter Pflanzenfüllung - Glockenblume meets Posthorn:



Wer bepflanzte Autoreifen gesehen und darüber die Nase gerümpft hat, wird hier eines besseren belehrt: Das ganze Rad inklusive Felge wurde in diesem Vorgarten zum Pflanzkübel umgebaut. Dazu braucht es ein scharfes Messer, ein gutes Augenmaß und ganz viel Talent, damit das Ganze halbwegs gerade wird. Der Reifen wird asymmetrisch aufgeschnitten und die Gummianteile nach unten und oben aufgeklappt, fertig ist die Pflanzschale. Klingt einfach, aber ich würde es nicht hinbekommen. Der wellenförmige Rand ist ein nettes Extra, der einem handwerklich Unbegabten endgültig die Schweißperlen auf die Stirn treibt.


Ähnlich einer älter werdenden Holzfassade ergraut der Reifen mit der Zeit und bekommt so eine edle Patina. Rost an der Felge ist ja auch kein Makel, sondern Vintage.



Alte Fässer sind hier mit Efeuaralie bepflanzt. Das ist doppelt ungewöhnlich, denn der Behälter ist so kleidsam, wie die immergrüne Pflanze empfindlich ist. Sowas geht nur in mildem Klima.


Urbanes Gärtnern an der Gracht - das geht nur in Amsterdam - ich fahre bestimmt noch mal hin!

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Noch bis 17.2.!


Samstag, 3. Februar 2018

Fotowettbewerb Günstig Gärtnern 2018

Draußen ist es kalt mit Schmuddelwetter? Perfekt! Dann ran an die Fotos vom letzten Jahr und mitgemacht beim brandneuen Fotowettbewerb Günstig Gärtnern 2018! Habt ihr tolle Do-It-Yourself-Projekte, gelungenes Upcycling, Deko aus alten Dingen oder Naturmaterialien?  Dann schickt mir eure Fotos!


Zu gewinnen gibt es natürlich auch etwas. Der erste Platz bekommt ein Exemplar von meinem Buch "Mein Bienengarten":


Drei weitere Gewinner können sich über je ein Paar Winter-Worker-Handschuhe von Spontex freuen:


Ich habe die Handschuhe schon mal für euch getestet. Sie sind innen zweilagig warm gefüttert, außen bestehen sie aus Naturkautschuklatex und sind dadurch sehr griffig. Sie helfen, Verletzungen bei der Gartenarbeit zu vermeiden - und kalte Finger sowieso. Ich konnte sogar die gemeingefährliche Kletterrose damit packen, ohne dass es schmerzte.



Macht ihr mit?

Als Inspiration hier die Gewinnerbilder von 2016: 







 


Die Gewinnerfotos und einige weitere schöne Ideen werden hier Ende Feburar veröffentlicht.

Schickt eure eigenhändig aufgenommenen Lieblingsbilder mit einem kleinen Text bis einschließlich  

17.02.2018
an folgende Adresse:  
guenstig_gaertnern(ät)gmx.de
Ihr findet sie auch in meinen Profildaten.
Die Bilder sollten nicht im Original geschickt werden, damit mein Postfach nicht platzt - 1024 Pixel Seitenlänge sind vollkommen ausreichend. Bitte fügt eurer Email auch gleich eure Adresse hinzu, damit eure Gewinne bald bei euch sind. Wer einen Blog pflegt, kann auch den nennen, dann werde ich ihn verlinken. Ansonsten werde ich nur den Vornamen und Heimatstadt der Gewinner bekanntgeben - eure Anonymität bleibt also gewahrt.

Das Kleingedruckte:
Die Einsender bestätigen, dass Sie im Besitz der Bildrechte sind und dass die Bilder frei von Rechten Dritter sind. Falls auf den Bildern Personen abgebildet sind, müssen diese mit einer Veröffentlichung einverstanden sein. Die Teilnehmer räumen "Günstig Gärtnern" die Nutzungsrechte an den eingesandten Fotos ein, um sie hier im Blog für unbeschränkte Dauer  zu zeigen. 
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Und nun zeigt's mir wieder mal -  ich freue mich auf eure Ideen!

Samstag, 27. Januar 2018

Die Demokratisierung der Tulpe

Tulpen aus Amsterdam sind ein Welthit und bekannt wie ein bunter Hund - aber was hat es auf sich mit Tulpen in Amsterdam, und dann noch im kalten Januar? Warum stehen tausende Blumen in der Innenstadt herum und blühen sogar ganz unverfroren?



Dieses Spektakel findet jedes Jahr statt, immer am dritten Samstag im Januar - 2018 war es der 20.1. - und nennt sich Tulpendag. Dann legen die holländischen Tulpenzüchter einen Garten zum Selberpflücken an, auf dem Dam vor dem Palast. Während die Zwiebeln früher Spekulationsobjekt und purer Luxus waren, ist dies die ultimative Demokratisierung der Tulpe, denn jeder darf hinein und bis zu 15 Tulpen pro Person pflücken, kostenlos! Mit dieser Aktion soll darauf hingewiesen werden, dass nun die Saison der Schnittblumen losgeht, die hiermit feierlich eröffnet ist.










Das stößt natürlich auf großes Interesse. Für das Betreten des Geländes um 13 Uhr müssen die Tulpenjäger anstehen, denn auf Los geht´s los und die Schlacht am kalten Tulpenbuffet ist eröffnet: Tulpen-Hamstern in Amsterdam.




Liebevoll wurden die Kisten mit den Blumen auf dem Platz arrangiert. Was hier so aussieht, als hätten sie mir zu Ehren ein E wie Elke angelegt, ist nur das Ende von LOVE - geschrieben mit Tulpen. Von einer eigens für die Übersicht errichteten Brücke sieht man erst, dass dort Buchstaben entstanden sind.



Die Pflanzen warten mit Zwiebel darauf, dass sie gepflückt werden, manche versuchen noch rechtzeitig zu fliehen:


Die Leute nehmen aber meistens die ganze Tulpe mit, denn mitsamt ihrem Speicherorgan ist sie deutlich leichter zu entführen und bleibt auch länger frisch. Überhaupt geht es sehr gesittet dabei zu, es wird nicht gedrängelt und der Platz ist nachher nicht übersät mit zerrupften Blättern. Stolz ziehen die Menschen mit ihrer bunten Beute von dannen. Der Trend geht bei diesem Event zu bunten Sträußen, obwohl auch unifarbene Arrangements möglich wären, oder Pastelltöne unter sich.

Auch das Fernsehen ist dabei und viel Prominenz. Die Organisatoren des Tulpentags erkennt man an ihren orangefarbenen Jacken.




Trotz der eisigen Kälte an diesem leider bewölkten Samstag im Januar war es ein beeindruckendes Erlebnis. Beim anschließenden Rundgang durch die Stadt begegneten wir immer wieder Menschen mit den Tulpentüten in der Hand. Es dauert etwa drei Stunden, also bis 16 Uhr, bis alle Blumen neue Besitzer gefunden haben.







Nun stehen die Tulpen schon fast eine Woche zu hause und ich bin immer noch ganz begeistert - stellt man sie mit Zwiebel in die Vase wirkt das so locker-leicht wie ein Gemälde alter niederländischer Meister. Ich werde versuchen, meine Ausbeute an Tulpen später im Garten auszuwildern. Mal sehen, ob es klappt!



Tausend Dank an das Niederländische Büro für Tourismus und Convention (NBTC), das die Reise möglich gemacht hat, obwohl Orkan Friederike alles daran gesetzt hat, uns die Tour zu vermasseln. Die Weitwinkel- und Panoramafotos hat mein Mann gemacht.

#thisisholland #ichliebetulpen

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