Donnerstag, 19. April 2018

Ein Storchschnabel mit Lampenfieber

Kneif mich mal einer, war ich wirklich am Dienstag Mittag im Fernsehen, live und in Farbe? Ich durfte bei ARD Buffet etwas über heimische Stauden erzählen, Lungenkraut, Frühlings-Platterbse, Gefleckte Taubnessel und Braunen Storchschnabel.




Ich bin ja nicht gerade als Rampensau bekannt, also war ich schon ziemlich aufgeregt vorher, immerhin ist das eine Live-Sendung! Aber wer hatte am Ende noch mehr Lampenfieber als ich? Der Braune Storchschnabel, den ich von zuhause mitgebracht hatte. In meinem Garten hatte er nämlich noch braune Flecken auf sämtlichen Blättern, doch plötzlich konnte er sich daran nicht mehr erinnern und hat sie sich einfach nicht mehr aufgemalt. Der wollte mich blamieren, soviel steht mal fest.

Gedreht wurde im Schaugarten vom SWR, der war sehr schön gemacht mit Trockenmauer und vielen Blumen.

Nach dem Auftritt im Garten mit den Stauden - und vielen Gehörnten Mauerbienen - war ich im Studio, wo live gekocht wurde.



Hier ist er nun, der Beitrag vom SWR in Baden-Baden:
 

Samstag, 14. April 2018

Die Überlebenden

Im Frühjahr würde man sich am liebsten in den Garten stellen und rufen: "Seid ihr alle da?". Aber mal abgesehen davon, dass die Nachbarn das komisch finden würden, wird keine Pflanze antworten. Nach dem Winter ist das Rätseln also immer groß, welches Grünzeug den Frost wohl überlebt hat.

Die Lenzrosen zum Beispiel. Die lagen bei den starken Frösten mitleiderregend darnieder und haben versucht, sich unter der Kälte wegzuducken. Hat geklappt, bravo!



Diese Helleborusse, die ich vor vier Jahren als winzige Babies von Silke (Wildwuchs unter Aufsicht) bekommen habe, sind endlich erwachsen geworden und blühen in rosa und weiß. Und was hatten wir erst für einen schlechten Start! Die Amseln haben die Winzlinge ständig aus den Anzuchttöpfen gejätet, ich sie wieder eingepflanzt, dann wurden sie wieder rausgerupft. Es war ein ewiger Kampf.

So sahen sie vor einem Monat aus:

 
Und jetzt so:



Es sind wirklich Prachtkerlchen geworden.




Der Goldlack ist ein anderer Fall. Ich glaube zwar nicht an die Zahnfee, aber war immer fest davon überzeugt, dass er so ziemlich jeden Winter überleben kann, wenn man fest an ihn glaubt. Bei meiner Mutter im Garten klappt das nämlich immer, aber ihrer steht auch an die Hauswand angekuschelt einigermaßen geschützt.


Meiner hat auch mehrere Jahre hintereinander durchgehalten und geblüht, aber dieser Winter war zuviel für ihn. Der Großteil der Zweige ist verfroren. Die Minderheit gibt Anlass, wieder ein bisschen an seine Unsterblichkeit zu glauben. Dazu gibt es Jungspunte, die gekeimt sind. Zur Nachwuchsförderung habe ich alles verfrorene über ihnen abgeschnitten, sodass sie nun auch Sonne bekommen.

Der Unterschied zu dem Anblick vor zwei Jahren ist jedenfalls deutlich - und traurig:

Und was gibt es sonst für Überlebende nach diesem Winter, der erst zart, dann hart war? Nach dem Mallorca-Urlaub ist es, als würde man den Garten im Zeitraffer sehen, denn während der Woche Abwesenheit ist so viel passiert!


Der Rauling (Trachystemon orientalis) hat sich gründlich seine erste Charge Blüten verfrieren lassen, aber überraschenderweise neue Knospen getrieben.


Toll, dass das Raubein doch kein Totalschaden geworden ist dieses Jahr. Ich hatte ihm aber auch im Januar noch schnell einen Tannenzweig, den ich im Park gefunden hatte, und einen Topf aufgelegt. Die Heckenbraunelle kam von selber, hat ihn aber nicht ausgebrütet:



Auch der neue Salbei macht Sorgen und treibt nur an wenigen Trieben aus, aber er wird wieder grün.


Die Herbstanemone "Andrea Atkinson" scheint im Gegensatz zum Bronze-Fenchel, der noch fraglich ist, doch kein Ausfall zu werden, obwohl es erst so aussah. Man pflanzt sie eben doch besser im Frühjahr und nicht erst im August.

Die Stinkende Nieswurz blüht unerschütterlich, obwohl sie viele erfrorene Blätter hat.




Die Narzissenzwiebeln, die ich im Herbst in Töpfe an der Hauswand gepflanzt hatte, hat es allerdings mit Mann und Maus zerrissen. Die sind Matsche und ich betrübt. Das war das letzte Mal, dass ich Blumenzwiebeln in Kübeln versuche. Das wird einfach nichts.

Kein Mangel wird dieses Jahr an Knoblauchsrauke herrschen. Die haben gekeimt, was das Zeug hält:


Wenigstens auf das sogenannte Unkraut ist Verlass. Da kann der Winter ja noch so schlimm sein. Und nun frage ich nochmal: "Seid ihr jetzt alle da?"

Samstag, 7. April 2018

Die Balearen für Blumenbegeisterte

Ich habe es ja schon mal angedeutet: Ich kann nicht reisen wie normale Menschen. Während andere den ganzen Tag auf Mallorca am Strand oder sogar gleich in der Strandbar hocken, gehe ich ständig in die Hocke, um irgendwelche Kreaturen zu finden, grün oder nicht grün. Andere werfen Handtücher auf Liegen, ich einen Blick in die Blumen - und die gibt es zur Zeit reichlich.

Soller, Mallorca

Jetzt im Frühjahr haben die Balearen ordentlich Winterregen aufgesogen und zeigen sich von ihrer bunten, meist gelben, Seite. Alle Pflanzen wirken fröhlich.

Senfrauke, Kronen-Wucherblume, Affodill


Röhriger Affodill und Wolfsmilch

Kronen-Wucherblume und Natternkopf

Kronen-Wucherblume

Kronen-Wucherblume, Natternkopf

Kronen-Wucherblume, Natternkopf, Weiße Resede

Milchfleck-Distel
 
Kronen-Wucherblume

Wegerichblättriger Natternkopf und Stierkopf-Ampfer

Wegerichblättriger Natternkopf, Schwalbenschwanz und Stierkopf-Ampfer

Manche Blumen kann man schon als die Prominenz des Mittelmeers bezeichnen, da sie sich überall aufdrängen und besonders groß sind. Eine davon ist der Ästige Affodill (Asphodelus ramosus), ein ausladendes Zwiebelgewächs, an dem kaum ein Insekt vorbeigehen kann (und sei es auch nur als Aussichtspunkt):
 



Er wächst an jeder Ecke und man möchte den langen Lulatsch am liebsten auch im eigenen Garten haben. Doch schnell wird klar, dass er dort - wenn nicht gar verfroren - so doch wenigstens sehr einsam werden würde. Honigbienen besuchen ihn zwar gern, doch was wäre er ohne die korpulenten Pelzbienen, Käfer und Dolchwespen?

Diese pelzige Dolchwespe, die eher wie eine Biene aussieht, heißt Dasyscolia und soll das einzige Insekt sein, das auf die Blüten der Spiegel-Ragwurz (Ophrys speculum) hereinfällt und denkt, die Blüte wäre ein Bienenmädchen. Männer eben.. Diese Art der unfreiwilligen Bestäubung per Trickbetrug konnte ich leider nicht beobachten, wohl aber beide einzeln. Wenn die Wespe nicht gerade verzweifelt versucht, Orchideen zu begatten und sich dabei Hörner aufsetzen lässt, besucht sie in ihrer Freizeit gern den Affodill, aber auch Korbblütler.


Dasyscolia
Spiegel-Ragwurz

Dieses dicke Ding hier ist Anthophora subterranea, eine wirklich gigantische Pelzbiene von Hummelgröße. Elegant im grau-schwarzen Pelz wuselt sie in Wahnsinnsgeschwindigkeit am Affodill herum, mag aber auch Wundklee ganz gern - eine sehr extravagante Mischung.


Das hektische Taubenschwänzchen fliegt gewohnt zappelig an den Blüten entlang.



So groß wie der Affodill ist, so klein und leicht zu übersehen ist dieses winzige Blümchen, das Zwergedelweiß (Filago pygmaea). Es trägt graublau und ist einfach hübsch - wenn man es denn wahrnimmt:


Eine besonders auffällige Blütenbesucherin im Frühjahr ist die Blattschneiderbiene Megachile sicula (einen deutschen Name scheint sie nicht bekommen zu haben). Sie besticht durch einen fuchsroten Pelz, einen schwarzen Hinterleib und dunkel gefärbte Flügel. Alle möglichen Hohlräume kleistert sie mit erdfarbenen Brutzellen voll, ob Löcher im porösen Gestein an der Küste oder hohle Metallstangen. Sie besucht am liebsten Hornkleearten in Gelb - wo sie auch besonders gut auffällt mit ihrer roten Mähne.

Megachile sicula


Manche Nester sind geradezu idyllisch gelegen - beste Wohnlage mit dem Ausdauernden Strandstern als Nachbarn, einem wirklich netten Korbblütler. Hier hat er einen Balkon im Gestein:



Während man also vor diesen illustren Gesellschaften steht und betrübt feststellt, dass man dergleichen im eigenen Garten in dieser Besetzung nicht inszenieren kann, stolpert man plötzlich über einen kleinen, strahlendweißen Lauch, der immer aussieht wie frisch gewaschen. Der wächst gern an nicht zu trockenen, schattigeren Stellen unter Laubbäumen und nur ausnahmsweise in der Sonne. Er zieht Schmetterlingsarten an, die wir auch zuhause haben: Zitronenfalter, Kohlweißling und Waldbrettspiel.



Es ist unverkennbar der Glöckchen-Lauch (Allium triquetrum), ein kleiner Stinker wie der Bärlauch, aber mit schmalen Blättern und hübsch nickenden Blüten. Die gute Nachricht: Er ist in Deutschland käuflich zu erwerben und überlebt mit einer Laubschüttung auch unsere Winter.

Solche Erkenntnisse kommen einem nicht in der Strandbar, also bin ich doch froh, dass ich nicht zu tief ins Glas, sondern lieber tiefer in die Blüten geschaut habe. Was machen andere Leute eigentlich so im Urlaub?

Gecko, Wespen-Ragwurz, Schwalbenschwanz an Lavendel

Samstag, 31. März 2018

Schluss mit Tannenzapfen

Erinnert sich noch jemand an die Plackerei mit dem Holzleim letztes Jahr, als ich das Oberstübchen vom Bienenhotel renoviert habe? Dieses Mal sollte das Parterre drankommen, das so hübsch mit Kiefernzapfen bestückt war, aber von den Insekten nur mit Naserümpfen abgestraft wird.

Hier noch einmal das Vorher-Nachher-Bild vom letzten Jahr:


Man sieht, was in dem untersten Fach verzapft wurde. Für Wildbienen ist das nichts, allenfalls für Spinnen, die ihre Persönlichkeit nicht mit großen Netzen entfalten müssen, sondern eher Kellerkinder sind.

Also raus mit den Zapfen. Dazu habe ich die Klammern des Drahtgitters aufbiegen müssen und das Ganze dann hochgeklappt: Völlig überraschend mit nur einer blutenden Schnittverletzung, ich werde langsam besser.

Als erstes, und um Platz zu schinden, habe ich den kleinen Ziegelstein mit den runden Löchern angeleimt. Weil ich vom letzten Jahr gelernt habe, als ich mit dem Holzleim fast wahnsinnig geworden bin, habe ich dieses Mal Expressleim gekauft. Der ist so zähflüssig, dass alles sofort gut klebt, und zwar dort, wo es kleben soll - nicht in den Haaren und nicht an den Fingern.



Man beachte die Öffnung in dem angeblichen Schmetterlingsabteil, die ein Specht oder wer auch immer fachmännisch erweitert hat. Das ist wirklich Kunst am Bau. Jemand hat dann auch noch Sonnenblumenkerne darin deponiert:


Eingeklebt habe ich wieder die hohlen Stängel von Gelber Wiesenraute und Iran-Lauch. Als die zur Neige gingen, habe ich im Park Japanischen Staudenknöterich geschnitten. Der Abtransport auf dem Fahrradgepäckträger war abenteuerlich und bestimmt haben sich Passanten gefragt, was die Irre mit dem Zeug wohl will.


 



Zur Neige ging dann kurz darauf auch der Leim. Das Problem: Der ist so zähflüssig, dass er schon bald nicht mehr aus der Flasche kommen will. Also Packung aufgeschnitten und den Inhalt herausgespachtelt. Man will ja nichts verkommen lassen.





Als der Leim dann endgültig alle war und die leere Flasche wirklich ausgelutscht, habe ich die restlichen Stängel einfach ganz dicht gepackt, sodass sie auch nicht mehr herausgezogen werden können. Zum Schluss dann noch das Drahtgitter wieder in Position gebracht, und fertig ist das renovierte Bienenhotel!






Tada, hier ist es nun, das fertig renovierte Hotel. Nur bei dem vom Vogel kreativ bearbeiteten Mittelabteil muss ich noch mal schauen, was ich damit mache.


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