Samstag, 9. Dezember 2017

Enthemmte Frühstarter

Zwiebelblumen-Neulinge erschrecken ab September regelmäßig, wenn sie das Laub der austreibenden Traubenhyazinthen entdecken.


Das wird dann schnell als Zeichen des Klimawandels gewertet, ist aber im Hause Muscari armeniacum völlig normal. Nur direkt nach dem Pflanzen der trockenen Zwiebeln haben sie für solche Mätzchen keine Zeit mehr, da treiben sie lieber im Frühjahr aus, wie es sich für eine ordentliche Zwiebelblume gehört, so wie auf diesem Bild:


Man muss die Frühstarter auch nicht groß abdecken oder bemuttern, die meisten Winter schaffen sie trotz Kampfbelaubung auch so.

Was den Traubenhyazinthen als eine gute Idee erschien - immerhin können sie den ganzen Herbst und Winter lang die ungeteilte Aufmerksamkeit der Sonne genießen, ohne durch Stauden gestört zu werden - kann im Garten Probleme machen. Für die kleinen Blaublüher mindestens.

Man sollte sie daher mit Bedacht pflanzen und folgende Verhaltensregeln beachten:

  • Im Rasen sind die Zwerge weniger gut aufgehoben als Krokusse, da zur Zeit des Laubaustriebs im Spätsommer noch letzte Rasenmäherdurchläufe sein müssen. Und dann können die Zwiebeln von vorne anfangen mit ihren Blättern... 
 
  • Traumpartner sind früh einziehende Stauden oder solche mit ganz zartem Laub. Hostas zum Beispiel räumen früh das Feld und lassen die Traubenhyazinthenblätter allein im Beet zurück.
 
  • Immergrüne Stauden als Nachbarn sollten wenigstens klein sein. Durch eine dünne Blätterdecke kommen die Zwiebelzwerge noch hindurch.
  • Muscaris lassen sich mit ihrem vorwitzigen Wesen gut als Markierzwiebeln zwischen solche setzen, die erst im Frühjahr Laub bilden.  Oder als schützender Ring. So werden bei weiteren Herbst-Pflanzaktionen keine Pflanzen mit dem Spaten getroffen, weil die Traubenhyazinthen das Areal mit Blättern bewachen. 
 
  • Beete, die mit Quecken durchwachsen sind, sind für Muscaris doppelt doof: Sowohl im Herbst als auch im Frühjahr hat man beim Gräser-Jäten doch immer wieder ihre Blätter zwischen den Fingern.

Natürlich muss man im Frühjahr nochmal ein Auge auf die sonnenliebenden Zwiebelblumen haben. Auch dann sind ihnen Nachbarstauden vom Leib zu halten. Meist ziehen sie nämlich später ein als Krokusse. Traubenhyazinthen sind in Gärten, die schon bis zum Anschlag gefüllt sind, schwierig - aber immerhin keine Vorboten des Klimawandels, sondern einfach nur kleine Blatt-Exhibitionisten, die von Sonne nie genug kriegen können...


Samstag, 2. Dezember 2017

Schatzsuche

Gestern habe ich mich wieder mal ins Getümmel gestürzt und die Gladiolen-Zwiebeln aus dem Null-Euro-Beet ausgehoben, bevor der Frost nächste Woche so richtig zubeißt. Eigentlich wollte ich auch eine Dahlie mit einsammeln, die ich vor ein paar Wochen noch gesehen hatte. Nun war sie allerdings spurlos verschwunden, so sehr ich auch gesucht habe.

Die Gladiolen sind schwieriger zu übersehen, da sie mit ihrem schwertförmigen Laub wie ein Ausrufezeichen im Beet stehen und damit den Weg zur Zwiebel weisen.





Meine Lieblingsmethode zum Bergen der Überwinterungsorgane ist folgende: Blätter orten, unten am Stiel fest zupacken und sanft, aber beherzt dran ziehen. Klappt in der Hälfte der Fälle auch ganz gut. In der anderen Hälfte gibt es einen Ruck und man steht nur mit dem grünen Teil in der Hand da. Peinlich. Hoffentlich hat das keiner gesehen - und auch nicht, dass mir dabei schon wieder ein Zweig von einem Strauch mit Schmackes ins Gesicht geschlagen ist.

Nun muss die Schaufel ran. Stelle merken und buddeln also. Doch wo war denn nun das Loch gleich noch, wo die Blätter aus dem Boden kamen? Wie schwer kann das sein, es wiederzufinden? Schwer genug, im dichten Bewuchs schaffe ich es regelmäßig, das Fleckchen zum Graben nicht mehr zu entdecken. Noch peinlicher.

Habe ich die Stelle dann doch gefunden, heißt das noch lange nicht, dass die Zwiebel auch darunter ist. Mehrmals habe ich weiträumig in Richtung China gegraben, ohne auch nur die winzigste Gladiole aufzuspüren. Dann halt nicht, wird eben im Boden überwintert. Und so schwindet der Vorrat an Zwiebeln von Jahr zu Jahr, obwohl die Pflanzen sich alle Mühe geben, die Verluste durch Tochterzwiebeln wieder auszugleichen - die man spätestens im nächsten Herbst dann erst recht nicht wiederfindet...




Zur Sicherheit habe ich dann auch noch am Laub einer Iris gezogen. Da sie aber wirklich keine Gladiole war, hat sie Widerstand geleistet und wollte ihr Laub lieber nicht hergeben. Da habe ich den Irrtum dann doch gemerkt.


Da der Eimer mit den gehobenen Schätzen leider noch weniger gefüllt ist als im letzten Jahr, sind mir Zweifel gekommen, ob die Idee, die Zwiebeln bunt im Beet zu verteilen, wirklich so gut ist. Vielleicht sollte ich sie konzentrierter Pflanzen, zum Beispiel vor dem Pflaumenbaum, wo der Rasen sich sowieso immer weiter zurückzieht.

Aber die Entscheidung hat ja noch Zeit. Jetzt hocken die Gladiolen erstmal in Zeitungspapier eingewickelt in einem kuschligen Karton auf dem nicht so kuschligen Dachboden. Bis ich dann im Frühjahr wieder zum Gladiolen-Gladiator werde und die Bande erneut einpflanze...

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