Samstag, 10. Dezember 2016

Totholz totschick

Wenn im Herbst die Birkensamen die Flatter machen und einfach überall dort sind, wo man sie nicht haben möchte, dann ist das Geschrei wieder groß und die armen Birken werden als baumgewordenes Unkraut beschimpft.



Dabei ernähren eben diese zarten Flugsämchen viele Tiere, wie Stieglitze, Birkenzeisige, Feuerwanzen und Gimpel. Außerdem kann sich wohl kaum jemand dem Charme der blütenweißen Rinde entziehen, die so elegant durch den Wald leuchtet. Was die Birke da macht, ist aber keine Eitelkeit, sondern ziemlich ausgefuchst: Im Winter kann sich der Stamm nicht so leicht erwärmen und Frostrisse werden vermieden.

Ich finde Birken ja unglaublich elegant und kann an kaum einem herumliegenden weißen Ast vorbeigehen. Natürlich findet man solche Schätze immer zu Beginn einer Wanderung und kann den Prügel dann die restliche Zeit mit sich herumschleppen. Dafür sieht das Ergebnis dann aber auch ganz nett aus, wie dieser Deko-Ast im Blumenbeet beweist:



Ein dickes Stammstück habe ich vor einem Jahr ins Null-Euro-Beet gestellt, wo die Pilze schon längst angebissen haben:


Auch im botanischen Garten kommt nichts weg - hier dienen Birkenstücke eines plötzlich verstorbenen Baumes als Moorbeetumrandung:



Letztes Wochenende habe ich aber so richtig was in den Garten geklotzt, damit das totschicke Totholz bald Holz-, Pelz- und Blattschneiderbienen als Baumaterial dient. Ein Kollege, seines Zeichens Großgrundbesitzer, hat eine wirklich wahnsinnig elegante Birke gefällt und ich durfte zwei Meter bzw. einen gefühlte Zentner vom Stamm haben.

Eine Hälfte haben wir noch mal mit der Japansäge in Handarbeit halbiert, um den Hummelkasten aufzubocken, damit er nicht so auf der nassen Erde stehen muss. Pilze haben bestimmt schon Witterung aufgenommen, das Besteck zurechtgelegt und werden sicher bald die Arbeit aufnehmen. Mit den dicken Stämmen sind die fleißigen Holzfresser jedenfalls eine Weile beschäftigt.


Das andere, schönere Stück steht nun aufrecht im Garten - und strahlt aus einer eher dunklen Ecke heraus.

Birken sind eben wahre Lichtgestalten - und hoffentlich auch als Totholz bald wieder voller Leben!

Samstag, 3. Dezember 2016

Hütchenspiele im Advent

Scheren können töten. Vor allem in Gärtnerhand, denn der ist ja sowieso immer der Mörder. Pflanzen haben deswegen sicher gehörigen Respekt vor den scharfen Schnittwesen und würden sich wegducken, wenn sie nur könnten.

Ich in meiner Person als Mörder mit den Scherenhänden bin nämlich im Nachhinein richtig froh, dass ich nicht geschnitten habe, als dem Efeuzaun plötzlich grasgrüne Zweige wuchsen. Denn das Pfaffenhütchen, das die Vögel in einem seltenen Anflug von guter Gartengestaltung perfekt mittig auf die hintere Gartengrenze gesät haben, ist dieses Jahr richtig hübsch und ein Adventsspektakel sondergleichen: Alles in weihnachtlichem Rot. Die modische Entgleisung, Pink mit Orange zu kombinieren, kann sich nur ein echter Euonymus leisten - und dabei noch gut aussehen und nicht wie ein dahergelaufener Clown wirken:



Letztes Jahr sah das ja noch recht langweilig aus.

Für die doofe immergrüne Nadelbaumhecke im Hintergrund kann ich leider nichts. Sie könnte der (viel zu große) Grund sein, warum mein Rotkäppchen nur eine verbesserungswürdige Herbstfärbung aus sich rausbringt. Denn eigentlich können auch die Blätter knallrot werden, wenn man ein richtig talentiertes Hütchen hat. So wie dieses hier im Stadtpark, das dafür kleinere Früchte hat:



Aber ansonsten: So üppig behangen mit großen Früchten ist mein roter Freund, dass man fast glauben könnte, ich hätte eine wahnsinnig teure Sorte gepflanzt:



Die beste Auslese was die Früchte angeht ist Euonymus europaeus 'Red Cascade'. Die errötet so richtig. Doch ich finde, mein Findling ist ein ebensolcher Knaller und durchaus ebenbürtig. Selbst als Bildhintergrund hinterlässt es auf Fotos einen sichtbaren Rotstich:




Pfaffenhütchen haben sogar das Zeug zum Hausbaum, wenn man sie lässt, wie dieses große Exemplar in einem Schaugarten zeigt. Es passt mit seinen Früchten einfach perfekt zu rotem Kerzen-Knöterich.

Die Amseln und Rotkehlchen haben schon fleißig die orangefarbenen Klunker aus den roten Hüllen gefressen. Die haben wohl spitzgekriegt, dass ich dem Pfaffenhütchen nicht grundsätzlich abgeneigt bin, und schon wieder für Nachschub gesorgt. Diese beiden Babies hier neben dem Zierapfel kann ich aber nicht groß werden lassen, sonst sehe ich wirklich Rot:

Wenn die Kleinen jemand haben möchte, um auch bald so ein knalliges und noch dazu einheimisches Winterspektakel im Garten zu haben, der möge sich melden. Die Sträucher wachsen rasch, bis zur Blüte dauert es aber trotzdem ein paar Jahre. Man sieht diesen Zwergen an, dass sie ein Blättchen für Herbstfärbung haben könnten. (Versand nur nach Deutschland, besonders gern im Tausch - mir fehlt noch Wald-Geißbart, eventuell hat jemand einen Sämling abzugeben?)

Samstag, 26. November 2016

Lesezirkel für lau

Gartenzeitschriften und die bunten Blätter, die sich mit dem Landleben beschäftigen, werden so schnell nicht unaktuell. Während solche mit dem Thema Technik, Testberichten oder Autos manchmal schneller überholt sind, als man sie überhaupt lesen kann (oder möchte), haben die grünen Hefte das Zeug zum Evergreen. Ein Jahrzehnt kann man sie locker im Regal stehen haben, bis einem das Layout doch langsam etwas altbacken vorkommt. Dieses beliebte Experiment habe ich durchaus schon mit einer erklecklichen Anzahl Zeitschriften durchgeführt, sehr zu Lasten des Bücherschranks.

Inhaltlich ändert sich so schnell nichts. Beim Anlegen eines Kompostes, Aussaat von Gemüse oder Nistkastenbau wird das Rad nicht ständig neu erfunden. In wirklich alten Zeitschriften kann man trotz der Qual für unser aesthetisches Empfinden vielleicht sogar alte Sorten bewundern, die es gar nicht mehr zu kaufen gibt. Oder man wundert sich doch sehr über die Mode und die Frisuren der Gärtner von Annodazumal.


Und so kommt es, dass ich mich nur äußerst schwer von den bunten Heftchen trennen kann. Erst bei vollständigem Verlust von freier Stellfläche im Haus komme ich zur Besinnung und verbanne einige altehrwürdige Kandidaten aus dem Wohnzimmer. Die sind aber nun wirklich viel zu schade für das Altpapier. Zum Glück hat unser Bioladen einen Bücherschrank. Da entlasse ich meine Schätze nun regelmäßig in die Freiheit. Beim nächsten Einkauf sind sie auch immer verschwunden und jemand anderem ins Haus geflattert.

Die Idee hat offenbar Schule gemacht, denn letztes Wochenende konnte ich selbst eine Ladung Landzeitschriften mit nach Hause nehmen, sogar ganz rüstige Exemplare jüngeren Datums:




Frau Katze findet das ganze Thema ja eher zum Gähnen. Papier ist zum Zerkratzen da und zu sonst gar nichts.



Nach ein paar gemütlichen Stunden mit der Katze und den Heften auf dem Sofa kommen die jetzt aber nicht ins Regal, sondern zurück in den Bioladen. Ganz bestimmt. Doch, doch, wirklich...




Denn dann kann sich noch jemand anders darüber freuen, bis sie am Ende ihrer Kräfte sind und völlig zerlesen im Müll landen... Es lebe der kostenlose Lesezirkel!

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...und weil wir gerade beim Lesen sind, möchte ich noch ein neues Buch vorstellen:

Große Gartenfreude mit kleinem Budget -

von Kristina Hamilton, erschienen im Löwenzahn-Verlag:
 

Von der Gartenplanung über Düngung, günstige und gesunde Pflanzen, Wassersparen bis zum Upcycling werden alle wichtigen Themen zum Sparen im Garten vorgestellt. Auch der Balkon wird behandelt.

Das Buch ist gut geschrieben, schön gestaltet mit viel Grün sogar im Textteil und manch netten Zeichnungen. Die Fotos zu den Kapitelaufmachern sind ebenfalls sehr gut, die innerhalb der Kapitel aber manchmal etwas dunkel abgedruckt und recht klein. Manche wären verzichtbar gewesen (was macht das Bild einer Dünen-Trichternarzisse beim Thema Schädlinge und Nützlinge?).

Alles in allem ist das Buch ein umfassender Ratgeber zum günstigen Gärtnern, den es in dieser Ausführlichkeit und Themenfülle auf stattlichen 224 Seiten noch nicht gegeben hat. Eine Empfehlung für alle, die ihren Garten neu anlegen möchten oder in ihrem bestehenden ökologischer und sparsamer arbeiten möchten - ein Buch für den Biogärtner mit kleinem Budget.

Samstag, 19. November 2016

Komik und Exotik

Ihre Früchte sehen aus wie kleine Leberwürste, und wenn man die Samen mit dem Fruchtfleisch entfernt hat, erinnert der Rest an einen abgeschnittenen Wurstfinger mit Solariumsbräune - also an etwas, das man bestenfalls im Tatort erwartet, aber nicht in der Küche.

Dabei ist das Fruchtfleisch wirklich ausgesprochen lecker, es schmeckt ein bisschen wie Feige. Der Wohlgeschmack dieser Frucht wird nur durch ihre Unerreichbarkeit hierzulande übertroffen - die Rede ist von der Tamarinde. Tamarindus indica ist ein tropischer Baum, dessen Heimat meist mit Afrika angegeben wird. Da die Pflanze aber mittlerweile in den ganzen Tropen wegen ihrer Früchte gezogen wird, ist ihre Herkunft nicht zweifelsfrei geklärt.

Und so war es dann auch während einer brasilianischen Themenwoche in unserer Kantine, dass Tamarindenfrüchte irgendwie die Deko machen sollten. Viele haben sich bestimmt gefragt, was die unappetitlich hautfarbenen Würste auf dem Tresen darstellten, und ob das nicht ein Fall für das Gesundheitsamt sei. Nur ein tropenbewanderter Kollege kannte sich aus und hat einfach eine Wurst mitgenommen.

Die haben wir dann als Nachtisch fachmännisch ausgewaidet. Zurück blieben neben der trockenen Hülle auch einige pechschwarze, glänzende Samen, etwa so groß wie Bohnensaat.

Die habe ich sogleich zuhause ausgesät. Was dann passierte war an Komik nicht zu überbieten. Wenn eine Pflanze den Deutschen Comedy-Preis verdient hätte, dann die Tamarinde. Bei der Keimung sahen die kleinen Kugeln aus, als würden sie grinsen. Jeder Keimling entfaltete sich dann anders. Aus erbsenartigen Keimblättern traten die ersten richtigen Blätter hervor. Ein Sämling sah aus wie ein Hahn, ein anderer streckte die Zunge raus. Echte Individualisten also.


Die Jungpflanzen wachsen recht schnell und lieben es gern tropisch feuchtwarm. Am besten sind die in die Höhe geschossen, die unter einem Einmachglas eingesperrt waren. Das Wachstum ist bemerkenswert asymmetrisch. In der Dunkelheit geht die Tamarinde ihrem Schönheitsschlaf nach und faltet die Blätter hübsch sittsam zusammen. Man ist fast versucht, leise zu sprechen, wenn man sie so sieht, um sie nicht zu wecken.

Frostempfindlich sind Tamarinden nicht, denn soweit kommen die erst gar nicht. Schon bei Temperaturen um die 5° Celsius fühlen sie sich recht unwohl und werfen schnell die Blätter ab, dann wird sofort gestorben. Also sollten die Pflanzen wirklich ab September besser ins Wohnzimmer.



Dort können sie zu bizarren Sträuchern heranwachsen, die nicht jeder als Zimmerpflanze hat. Ob sie irgendwann auch die kleinen Leberwürste produzieren, bleibt abzuwarten. Aber ich würde es ihnen durchaus zutrauen - die lustige Tamarinde scheinen mit allen (lauwarmen) Wassern gewaschen zu sein.

* Dieser Artikel hätte wegen der gruseligen Wurst, die wie ein abgetrennter Finger aussieht, gut zu Halloween gepasst. Da sieht man mal wieder, dass ich das Bloggen echt drauf hab...

Samstag, 12. November 2016

Bäumchen wechsel dich: Alternanz bei Obstgehölzen

Dieses Jahr war ein gutes für Äpfel. Wo man auch hinschaut, biegen sich die Bäume unter der süßen (oder sauren) Last. Während mein Zierapfel 'Golden Hornet' im September wohl Wasser sparen musste aus Mangel an Regen und den ganzen Garten mit nicht mehr tragbaren Miniäpfeln zugeschmissen hat, hat sich der Säulenapfel 'Arbat' wacker geschlagen.



Dieses Jahr nimmt der Garten also an einem Experiment teil, das da heißt: Zierapfelmulch. Vielleicht der letzte Schrei, was Mulchen angeht? Die Schnecken werden wie auf Rollen laufen.


Der Säulenapfel jedenfalls hielt fest an seinen Äpfeln, die so zahlreich waren wie nie zuvor. Nächstes Jahr wird er dann wieder nur ganz wenige Äpfel tragen, eventuell wird er gar nicht blühen. Das lässt er nämlich bleiben, wenn er keine Lust dazu hat.



Aber warum machen Äpfel und auch Obstgehölze der Gattung Prunus - zum Beispiel Kirschen und Pflaumen - das überhaupt mit der doofen Alternanz? Warum schmeißen sie uns in einem Jahr zu mit Früchten und sparen sich einen Ast im nächsten?


Eine Theorie besagt, der Grund wäre derselbe wie bei den Primzahl-Zikaden. Diese nordamerikanischen Insekten verbringen Jahre als Larven unter der Erde, bevor sie in einem Massenansturm gleich alle auf einmal schlüpfen. Da ist dann immer in großes Hallo in Garten und Wald. Die Zeitspanne, die die Zikaden im Dunklen verbringen, ist ja nach Art unterschiedlich, ganz beliebt sind aber Primzahlen. Manche Arten erscheinen nur alle 13 oder gar 17 Jahre! Warum stellen die sich so an und kommen nicht einfach jedes Jahr zum Vorschein?

Die machen das deshalb so kompliziert, damit kein Fressfeind auch nur ansatzweise auf die Idee kommt, man könnte sein Beuteschema zur Abwechslung mal ausschließlich auf Zikaden ausrichten. So ein Räuber würde schneller verhungern als er bis 17 zählen könnte. Stattdessen gibt es eben alle 13 oder 17 Jahre eine große Sause bei den Zikaden und die Insektenfresser können sich die Bäuche vollschlagen, bevor sie dann wieder eine lange Zeit auf so eine Party warten müssen.

Vielleicht machen es die Obstgehölze genauso. Immer mal ein bisschen pausieren, damit Schädlinge wie Apfel- oder Pflaumenwickler gute Zeiten und schlechte Zeiten erleben und sich nie dauerhaft wie im Schlaraffenland fühlen können? Säugetiere wie wir sind mit dieser Erbsenzählerei vermutlich nicht gemeint, denn wir sollen ja eigentlich die Samen großzügig verbreiten und können damit nicht der Grund für die Alternanz sein.


Nur der spendable Zierapfel muss dieser Schädlings-Theorie natürlich widersprechen. Der kennt keine Alternanz - zumindest keine sichtbare - und hat wohl noch nie von Primzahlen gehört. Aber wer weiß, vielleicht erschlägt er seine Feinde ja einfach alle 11 Jahre mit kiloweise abgeworfenen Früchten. So wie meiner dieses Jahr...

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