Samstag, 18. März 2017

Geschnetzeltes

Im diesjährigen COMPO-Magazin ist ein Interview mit mir zu lesen:


Als Dankeschön bekam ich ein Paket mit Produktproben, das mir vermutlich für alle Zeiten den Unmut des Paketboten zugezogen hat. Neben torffreier Blumenerde mit Schafwolle, Schafwoll-Dünger und Flüssigdünger war nämlich auch ein 60-Liter-Sack Bio-Holzhackschnitzel dabei. Und der war nicht leicht.

Nun sind diese Hackschnitzel zwar durchaus vegetarier-geeignet, aber man sollte sie doch besser im Garten verwenden. Die eigentliche Bestimmung dieser Holzfragmente ist die unterste Schicht im Hochbeet. Man kann sie aber auch als kostengünstigen Wegbelag verwenden, der so schnell nicht verrottet.

Und da ich keinen Platz für ein Hochbeet habe, bin ich auf eine andere Idee gekommen. Im Null-Euro-Beet habe ich für Glockenblumen und ein großes Johanniskraut einen Quadratmeter Beet ausgestochen. Das geht prima direkt nach der Arbeit, wenn man sich mit Gewalt ein bisschen abreagieren möchte. Damit das Gras nicht wieder in das Beet hineinwuchert, habe ich dann spatentief einen Graben ausgehoben, etwa 20 cm breit. Dort hinein habe ich nach Art eines trockenen Burggrabens die Holzhackschnitzel gegeben.



Das Ganze soll aber nicht nur eine hölzerne Demarkationslinie gegen Quecken-Quälgeister sein, sondern auch ein Paradies für Käferlarven, die sich bei fortschreitendem Verfall des Holzes am Abbau beteiligen können. Hirschkäfer sind die Prominenz unter den Mulchbewohnern, aber auf die wage ich mal nicht zu hoffen.

Die torffreie Blumenerde werden später die Tomaten bekommen, der Schafwoll-Langzeit-Dünger ist unter anderem für den Rhabarber reserviert. Durch die Wolle speichern Erde und Dünger Wasser, was besonders auf trockenen Böden von Vorteil ist. Außerdem gibt die Wolle Nährstoffe ab.


Die Düngestäbchen, die nicht nur für Tomaten, sondern auch für Obst und Kräuter geeignet sind, sind schon in allen möglichen Töpfen auf der Terrasse versenkt und sollen Schnittlauch, Erdbeeren und Knollenziest beglücken.

Und so sind hoffentlich bald alle Pflänzchen rundum zufrieden!

Samstag, 11. März 2017

Der verlorene Krokus

Neulich fiel mir auf, dass der gelbe Krokus im Rasen fehlte, der sich vor ein paar Jahren selbst dorthin gesät hatte. Er war mit der Zeit zu einer richtigen Institution geworden, heiß ersehnt mit seinem fröhlichen Gelb im Pyjama-Look, auch wenn seine Blüten sich gern auf dem Boden herumwälzen.




Doch ich habe mir die Augen ausgeguckt, aber ich konnte seine markanten Blätter im Rasen einfach nicht entdecken, von Blüten ganz zu schweigen. Hatten ihn am Ende doch Schädlinge erwischt oder ein zu dominanter Rasenwuchs mit undurchlässiger Grasnarbe kümmern lassen? Denn die Geschmäcker sind hier durchaus verschieden: Während der Durchschnittsgartenbesitzer eine dichte, makellos grüne Grasnarbe schätzt, ist das einem Krokus zuwider. Er mag Rasen gern kümmerlich, wehleidig und mit vielen undichten Stellen, durch die er seine Triebe bohren kann.

Doch dann sah ich einen ähnlich gelben Krokus nicht im Rasen, sondern am Rande des Blumenbeets unter der Kartoffelrose. Das musste er sein, doch warum hatte er den Platz gewechselt, hatte ihn etwa die Wanderlust gepackt?

Die Erklärung war einfacher und hatte nichts mit mobilen Knöllchen zu tun: Der Garten nutzt eben jede Schwäche des Gärtners gnadenlos aus. Wo man das Unkrautjäten mal kurz vernachlässigt und Oregano und Seifenkraut sich ungeniert auf dem Rasen räkeln lässt, da wächst am Ende kein Gras mehr. Der Pfennig-Gilbweiderich dagegen ist sofort zur Stelle und springt in die Bresche.

Und so war nicht der Krokus gewandert, sondern das Staudenbeet hatte einen Vorstoß in Richtung Süßkirsche gewagt. Das hatte sich letztes Jahr eigentlich schon angekündigt, wo auch Minze und Gundermann den Rasen gemeinsam aufmischten - auf diesem Bild von 2016 ist der besagte Krokus zu sehen:



Naja, immerhin ist die kleine Meuterei im Rasen größtenteils essbar. Pfefferminztee aus dem Rasen kann auch nicht jeder machen. Und wer weiß, vielleicht fühlt sich der gelbe Krokus inmitten der blumigen Gesellschaft nun viel wohler?

Wer sich mittlerweile aber so richtig in meinem Garten zuhause fühlt, ist der Elfenkrokus (Crocus tommasinianus). Es ist die Art mit dem besten Preisleisungsverhältnis, denn keine verwildert so gut und gerne wie er!





Ein paar Knollen reichen und nach ein paar Jahren hat man schöne Tuffs in rosa. Meine ehemals vereinzelten Elfenkrokusse neigen nun schon ganz hervorragend zur Grüppchenbildung, sodass ich endlich im Garten bleiben kann, um Blümchen- und Bienenfotos zu machen!




Und wer wollte dieser rosa Pracht ein Versammlungsverbot erteilen, auch wenn sie es mitten in den Rasen schaffen, wie ihr gelber Vetter?



Samstag, 4. März 2017

Geleimt!

Alle Welt benutzt Heißkleber, nur ich habe das nie verstanden, denn ich bin mit Holzleim sozialisiert worden. Seit meiner Kindheit begleitet mich das weiße, klebrige Zeug. Es ist ungiftig, umweltfreundlich und wird nach dem Trocknen durchsichtig und unsichtbar, was ein großer Vorteil bei allem Dekorativem ist und wenn mal was daneben geht.

Mit Holzleim habe ich schon Muscheln auf Holz geklebt, Holz auf Papier und Holz auf Holz. Er hat mich nie hängen lassen - dieses Muschelbild hält jetzt schon über 16 Jahre:


Also dachte ich mir, wie schwer kann es schon sein, mein Bienenhotel damit zu renovieren? Da das obere Fach in dem Häuschen sinnloserweise mit Holzhackschnitzeln hinter Kaninchendraht gefüllt war, wollte ich es bienengerecht umbauen. Hohle Stängel sollten dort installiert werden.

Seit dem letzten Frühjahr spare ich schon für das neue Hotelfach und habe Staudenstängel aufgehoben. Besonders gut eignen sich die trockenen Strünke der Gelben Wiesenraute. Zusätzlich habe ich Herzgespann gesammelt, Iran-Lauch und dünne Bambusstäbe. Ganz winzige Löcher haben die Äste vom Wald-Geißblatt.


Dann mussten die Klammern aufgebogen werden, mit denen der Kaninchendraht befestigt war. Die untere Seite habe ich stecken lassen und das Gitter nach unten geklappt.

Jetzt sollte der Holzleim dran glauben. Großzügig habe ich die Rückseite und das Unterteil damit einbalsamiert. Die Stängel habe ich mehr oder weniger auf die richtige Länge geschnitten und sie in den Leim gesteckt.

Schon nach unglaublich kurzer Zeit wusste ich, warum alle Welt so auf Heißkleber schwört: Der ist anhänglicher und zäher. Holzleim dagegen verzeiht Anfängerfehler und bleibt sehr lange flüssig. So flüssig, dass die Stängel immer wieder umgekippt sind, eher aneinander als an der Holzwand hielten und mühsam geklebte Reihen dadurch wieder aus dem Leim gingen. Mit soviel Bindungsängsten ausgestattete Staudenröhren machten alles etwas mühselig.

Meine Finger aber waren bald so voller Klebstoff, dass ich damit schon perfekt geklebte Äste wieder durcheinander brachte, weil mir die Stäbe auf den Leim gingen. Toll. Mehrmals habe ich außerdem die Löcher der Stängel aus Versehen mit Leim verschlossen, so dass ich sie noch mal kürzen musste. Jetzt war auch die Schere ganz verklebt. Ich war wirklich kurz vorm Durchdrehen.

In schön runden Konservendosen leistet der Leim dagegen bessere Dienste - hier kann man Bambusstäbe erstmal in Ruhe bündeln und mit Kabelbinder zusammenzurren. Dann den Boden der Dose oder die Stäbe ordentlich mit Kleber einschmieren und das Bündel hinein drücken. Die Lücken lassen sich dann mit weiteren Stäben komplettieren. Oft hält so ein Packen sogar ganz ohne Klebstoff.


In dem dreieckigen Holzfach aber geriet die Operation "Nisthilfe mit Holzleim" zur Geduldsprobe mit der Gefahr eines Schreikrampfes.


Am Ende war dann alles schief und krumm, aber sicher unter Dach und Fach - der Leim hielt und durch den Überstand bleibt alles schön trocken. Jetzt noch den Hasendraht wieder drüberfummeln, tief durchatmen und nun heißt es auf die Bienen warten. Hoffentlich sind die nicht auf mit Heißkleber fabrizierte Nisthilfen konditioniert... Und nächstes Mal nehme ich Express-Leim, denn das Fach mit den doofen Kiefernzapfen ganz unten muss auch noch renoviert werden..


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Und nun noch eine Buchvorstellung für Gärtner, die sich was trauen. Die den Garten gern in die Hand von Pflanzen geben, die sich manchmal wie die Axt im Walde benehmen, nämlich heimische Arten, die gern verwildern und für überraschende Effekte sorgen. Ich gehöre ja bekanntlich auch zu den Leuten, die sich gern stadtbekannte Wucherer anlachen - die Wildbienen aus der Nisthilfe sollen ja was zu ernten haben. Hier ist also das neue Buch von Norbert Griebl:



Bei jeder Art ist angegeben, wie sie sich verbreitet und wie schnell, welche Ansprüche sie hat und welchen Nutzen wir oder die Tierwelt von ihr haben. Von Akelei bis Zimbelkraut ist alles dabei von Einjährigen bis zur Staude - durch die Angaben zum Ausbreitungsdrang kann man sich leicht aussuchen, an welchen Level man sich heranwagen möchte. Ein Blühkalender ergänzt die Auswahl. Und keine Angst - manche sind gar nicht so schlimm und werden nicht zum immerwährenden Jäte-Opfer, wie Zahnwurz oder Heide-Nelke.

Ich hätte ja gern noch mehr Bilder aus dem Garten des Autors gesehen, aber auch so kann man sich dank der Liste an Pflanzpartnern zu jeder Art vorstellen, wer zusammenpasst. Vielleicht wäre das Buch auch mal ein Denkzettel für Stadtplaner, mal wirklich pflegeleichte Beete anzulegen, in denen sich Wucherer mit Wucherern messen und sich so gegenseitig in Schach halten?

Samstag, 25. Februar 2017

Nennt mich Captain Hook!

Im Herbst fiel mir auf, dass meiner geliebten roten Gartenschere etwas fehlte. Am Griff war der Lack ab, aber das machte nichts, auch Scheren dürfen in Würde altern, außerdem hatten wir jetzt was gemeinsam. Nein, etwas Wichtigeres war verschwunden, das Wichtigste überhaupt neben scharfen Klingen: Die hübsche silberne Feder war weg, die die Schere immer wieder wie von Zauberhand in die offene, zupackende Ausgangsposition bringt. Mit dem invaliden Gartengerät geriet der Herbstschnitt etwas mühsam - ich musste die innig vereinten Klingen nach jedem Zugriff immer wieder per Hand durch Ziehen an den Griffen gewaltsam voneinander trennen.

Zum Glück gab es ein Happy-End: Die rote Schere konnte durch eine lebensverlängernde Maßnahme geheilt werden, denn bei einer guten Marke kann man Ersatzteile nachkaufen. Billiges Gerät muss dagegen zum Alteisen. Das Einsetzen der Feder ist zum Glück kinderleicht und auch von mir ohne männliche Hilfe zu bewerkstelligen. Natürlich stieß ich kurz darauf hinten im Garten beim Efeuschneiden auf die alte Feder - ein bisschen verrostet zwar, aber ansonsten springlebendig.

Seht ihr, wie die Fliege gegen Schleichwerbung vorgeht und den Markennamen verdeckt?


Nun ist es Frühjahr und der Rückschnitt der Staudenbeete steht an. Die runderneuerte Schere darf sich diesmal schonen, denn ich habe einen neuen Liebling: Eine Sichel. Die habe ich gebraucht bekommen, aber nachdem mein Mann ihr den letzten Schliff verpasst hat, ist sie wieder scharf.



Und was für ein Vergnügen das ist, wie geschaffen für Grobmotoriker, die gern Dampf ablassen! Mit der Sichel muss ich die alten Staudenstängel einfach nur am Schopfe packen, die Klinge irgendwo unten ansetzen und zu mir hinziehen. Geht schnell und unfallfrei. Wo eine Schere wählerischer ist und alles einzeln in den Mund gelegt bekommt, kann die Sichel einfach wahllos vor sich hin sensen und sich benehmen wie die Axt im Walde.

Das klappt besonders gut bei weichen Stauden, wie Iris, wo sich die Schere gern dran verschluckt. Aber ich habe sogar einen ganzen Horst Chinaschilf mit dem scharfen Ding kleingekriegt. Selbst Brombeeren bekommt man durch. Aber nur mit Handschuhen. Beim Oregano muss man aufpassen, denn der reißt sich gern ein Stück Wurzel mit aus.

Als ich mich dann glücklich durch's Null-Euro-Beet gesichelt hatte und die Biotonne voll war, war sie auch schon wieder weg, die Sichel. Trotz gründlichem Suchen blieb sie entschwunden, meine Verzweiflung wuchs. Am Ende hatte ich die Biotonne zur Hälfte wieder ausgeräumt, als ich sie dort fand, entsorgt mit dem Staudenrückschnitt.

Das ist der einzige Nachteil an dem dezenten Holzgriff - man verwechselt ihn leicht mit Totholz. Nach geglücktem Wiederfund habe ich dann nach dem Null-Euro-Beet gleich noch meinen Hausgarten abgeräumt.

Diesen Riesenhaufen haben die Sichel und ich zusammengesäbelt - kaum zu glauben, welche Biomasse selbst in einem Reihenhausgarten anfällt:



Alles in allem muss ich sagen: Gut abschneiden war gestern, jetzt springen die Altlasten im Staudenbeet über die Klinge, Sichel sei Dank!


Samstag, 18. Februar 2017

Im Kriechgang

Wer jetzt nicht um die Beete schleicht, altes Laub vorsichtig bei Seite schiebt und jedes winzige Erdbeben entdecken möchte, der ist kein richtiger Gärtner. Wir Freunde des Frühlings und der kleinen Helden im Zwiebellook möchten jetzt ganz gern wissen, wer wohl alles den Winter überlebt hat und wer als erster vom Ende des selbigen kündet.

Trotz der vielen kleinen Eiszeiten zwischendurch tut sich schon richtig viel im Garten - und es ist spannend, den neuen Austrieb der Frühlingsblumen zu entdecken und hoffentlich richtig zuzuordnen. Hier ein kleines Who-is-Who der Geophyten-Lebenszeichen, das wohl in keiner Gartenzeitschrift auftaucht, so ganz ohne Blüten:
Der Klassiker und auch bei Gartenneubesitzern nach nur einem Winter schon korrekt abgespeichert: Das Schneeglöckchen. Nur bei ihm sind die zukünftigen Blüten zwischen graugrünen Blättern so früh so gut zu erkennen.

Für Fortgeschrittene: Die kleinen Austreiber, die immer die ersten sein wollen, auch in Sorten zu erkennen. Gar nicht so einfach... Das hier mit den aufgeblähten Knospen ist aber bestimmt das feiste 'Flore Pleno' mit der gefüllten Blüte - wer sonst sollte solche Pausbäckchen haben?

Später sehen sie dann so aus:
 

Märzenbecher sind dasselbe in Grün: Weißliche Knospen, nur lugen die zwischen grasgrünen Blattspitzen hervor.

 Richtig aufgeblüht, sieht das schon ganz anders aus:

Krokusse sind auch einfach. Alle Blätter sind feinsäuberlich zu einer Spitze zusammengedrängt, später zeigt sich eine braune Hülle. Die Nadelstreifen auf den Blättern sind ebenfalls typisch.


Läuche dagegen können in vielen Darreichungsformen auftreten. Dieser wilde Wuschel hier ist der Kugelkopf-Lauch (Allium sphaerocephalon). Er treibt schon im Herbst aus und übersteht den Winter mit Blättern.

Daneben guckt ein Knoblauch aus der Erde, erkennbar an den breiten, umeinandergewickelten Blättern.


Traubenhyazinthen treiben auch schon im Herbst aus, jetzt sind die dann etwas unordentliche Blattbüschel. Nur im letzten Jahr gepflanzte Zwiebeln schieben erst jetzt Blätter. Prärielilien (Camassia) zeigen mehrere Blätter, wobei eines die anderen ein bisschen überragt.


Tulpen sind oft rötlich und dick, wie eine Tüte gerollt. Sie treiben früh aus, sofern die Wühlmäuse sie im Beet gelassen haben.





Die winterliche Garteninspektion dient aber nicht nur der Frühlings-Spionage: Manche Zwiebel befindet sich nun in einer misslichen Lage. Frost oder Nager haben sie nach oben gedrückt, sodass sie nun dumm auf der Erde herumliegt. Sobald der Boden nicht mehr gefroren ist, sollte man sie wieder eingraben, damit das auch was wird mit der Blüte.


Die Kontrollgänge sind also sehr nützlich, denn wir wollen ja nicht, dass die Kosten und Mühen, die wir im Herbst nicht gescheut haben, fruchtlos bleiben. Also: Treibt es ruhig bunt, ihr kleinen Zwiebeln!

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